Weitere Versicherungen · Ratgeber

Das musst du als frischer Notfallsanitäter zu Versicherungen wissen

Von Nikki Pahl, Notfallsanitäter Veröffentlicht Aktualisiert 7 Min. Lesezeit
Notfallsanitäter Versicherungen

Wenn du bald mit deiner Ausbildung zum Notfallsanitäter fertig wirst, solltest du dich gleich nach dem Examen um deine Versicherungen kümmern. Warum ist das so wichtig?

Vielleicht hast du deine Ausbildung direkt nach der Schule oder im Anschluss an ein FSJ oder einen Bundesfreiwilligendienst begonnen. Dann warst du bisher wahrscheinlich bei deinen Eltern mitversichert. Wenn du vorher schon etwas Berufserfahrung als RS (Rettungssanitäter) oder in einem anderen Beruf gesammelt hast, hast du eventuell selbst schon Versicherungen abgeschlossen.

So oder so ist das Ausbildungsende ein wichtiger Meilenstein für dich. Diesen Meilenstein solltest du unbedingt zum Anlass nehmen, deine Versicherungen zu überprüfen.

Versicherungen sind vor allem dafür da, dich vor existenzbedrohenden Risiken abzusichern. Folgende Versicherungen sind für dich als frischer NotSan (Notfallsanitäter) wichtig:

  • Privathaftpflichtversicherung,
  • Berufshaftpflichtversicherung,
  • Berufsunfähigkeitsversicherung (BU),
  • Unfallversicherung,
  • Rechtsschutzversicherung.

Nachfolgend bekommst du einen kurzen Überblick zu den einzelnen Versicherungen für Notfallsanitäter. Viele Details dazu findest du unter den jeweiligen Links auf dieser Website. Bei Fragen schreib mir einfach.

Privathaftpflicht­versicherung (PHV)

In Deutschland haftet man unbegrenzt mit seinem Privatvermögen für Schäden, die man Dritten zufügt. Wenn du also aus Versehen jemanden mit dem Fahrrad umfährst und sich dieser dadurch schwer verletzt, können hohe Schadenersatzforderungen auf dich zukommen.

Genau für solche Fälle ist eine private Haftpflichtversicherung (kurz PHV) da. Sie kümmert sich um solche Schäden, übernimmt die Abwicklung und bezahlt den Schaden. Als junger Erwachsener warst du wahrscheinlich bisher über die PHV deiner Eltern mitversichert. Diese Mitversicherung endet jedoch in der Regel mit dem Abschluss deiner Ausbildung.

A1-2 Regelungen zu mitversicherten Personen und zum Verhältnis zwischen den Versicherten (Versicherungsnehmer und mitversicherten Personen)

A1-2.1 Versichert ist die gesetzliche Haftpflicht

A1-2.1.1 des Ehegatten und des eingetragenen Lebenspartners des Versicherungsnehmers,

A1-2.1.2 ihrer unverheirateten und nicht in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft lebenden Kinder (auch Stief-, Adoptiv- und Pflegekinder), bei volljährigen Kindern jedoch nur, solange sie sich noch in einer Schul- oder sich unmittelbar anschließenden Berufsausbildung befinden (berufliche Erstausbildung – Lehre und/oder Studium, auch Bachelor- und unmittelbar angeschlossener Masterstudiengang –, nicht Referendarzeit, Fortbildungsmaßnahmen und dgl.). Bei Ableistung des Grundwehrdienstes, des freiwilligen Wehrdienstes, des Bundesfreiwilligendienstes oder des freiwilligen sozialen Jahres vor, während oder im Anschluss an die Berufsausbildung bleibt der Versicherungsschutz bestehen,

Auszug aus den Musterbedingungen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft zur Privathaftpflicht, Fassung 2022, Hervorhebung von mir. Die Regel, dass Kinder bis zum Ende der ersten Berufsausbildung mitversichert sind, steht so auch in aktuellen Bedingungen.

Eine sehr gute PHV kostet für Singles etwa 20 bis 40 Euro im Jahr, also zwei bis drei Euro im Monat⁠[3]. Sie schützt dich vor kleineren und größeren Schadenersatzforderungen, aber nur im privaten Bereich. Achte auf eine Deckungssumme von mindestens 10 Millionen Euro, besser 50 Millionen.

Berufshaftpflicht­versicherung (BHV)

Wenn du im Beruf einmal Mist baust und Patienten oder ihre Angehörigen Ansprüche stellen, leistet deine private Haftpflichtversicherung jedoch nicht. Im Regelfall haftet in diesem Fall erstmal dein Arbeitgeber. Je nach Bundesland und Arbeitgeber gibt es verschiedene Konstellationen, ob auch Ansprüche gegen dich direkt gestellt werden können. Dein Arbeitgeber kann sich den Schaden von dir zurückholen (Regress): ab mittlerer Fahrlässigkeit anteilig, bei grober Fahrlässigkeit und Vorsatz komplett. Manche Tarifverträge begrenzen das auf Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit.

Das sieht dann zum Beispiel so aus:

§ 6 Haftung

1Verletzt ein Mitarbeiter grob fahrlässig oder vorsätzlich seine Dienstpflicht, so haftet er dem Arbeitgeber gegenüber für den entstandenen Schaden nach den allgemeinen gesetzlichen Bestimmungen. 2Der Mitarbeiter kann bei Fahrlässigkeit von Schadensersatzansprüchen freigestellt werden, die gegen ihn aus Anlass der dienstlichen Tätigkeit von Dritten geltend gemacht werden.

Auszug aus dem DRK-Reformtarifvertrag, Fassung 2021. Wie die Haftung bei dir geregelt ist, steht in der aktuellen Fassung deines Tarifvertrags oder deiner Betriebsvereinbarung.

Eine Berufshaftpflichtversicherung (kurz BHV) ist für solche Fälle da und sehr sinnvoll, wenn du als angestellter NotSan arbeitest. Sie kostet ab etwa 75 Euro im Jahr (Richtwert aus meiner Beratungspraxis, Stand Oktober 2026). Zusammen mit der Privathaftpflicht deckst du deine berufliche und private Haftpflicht so für rund zehn Euro im Monat ab. Die Berufshaftpflicht vermittle ich nur Kolleginnen und Kollegen, deren BU ich betreue; mehr dazu auf der Seite zur Berufshaftpflicht.

Berufsunfähigkeits­versicherung (BU)

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung (kurz BU) zahlt dir eine versicherte Monatsrente, wenn du nicht mehr in deinem Beruf arbeiten kannst. Durch die unterschiedlichen Belastungen im Rettungsdienst (Schichtdienst, psychische Belastung, unergonomische Arbeitsweise etc.) arbeiten viele Kollegen nicht bis zur Rente im Rettungsdienst. Manche werden erst in den letzten Jahren vor der Rente berufsunfähig, andere schon deutlich früher. Eine BU ist somit für alle Rettungsdienstler einer der wichtigsten Verträge überhaupt.

Auch jetzt, als junger NotSan, ist eine BU für dich nicht besonders günstig. Sicher ist aber eines: Du wirst wahrscheinlich nie wieder die Chance haben, eine BU so günstig und umfangreich wie heute abzuschließen. Mit den Jahren im Beruf wird sich das eine oder andere Wehwehchen einstellen und den Abschluss einer BU für dich entweder zu teuer oder nicht mehr sinnvoll machen, da die bestehenden Probleme dann vom Versicherungsschutz ausgeschlossen werden.

Ich habe schon viele Kollegen in unterschiedlichen Lebensphasen beraten. Oft ging es mir wie bei Patienten, die auf die Frage nach Vorerkrankungen erst einmal sagen: „Ich bin gesund.“ Nach und nach stellt sich dann heraus, dass schon dies und das gewesen ist. Zwei Wochen Arbeitsunfähigkeit wegen Rückenschmerzen, ein paar Kilogramm Übergewicht, etwas Bluthochdruck und schon wird es mit der Berufsunfähigkeitsversicherung schwierig. Zögere deshalb nicht: Buch dir einen Termin, füll vorher den Gesundheitsfragebogen aus und hol dir im Gespräch die verbindliche Aussage eines Versicherers oder eine anonyme Risikovoranfrage.

Alles zur BU findest du auf der Seite Berufsunfähigkeitsversicherung für Notfallsanitäter. Hast du deine BU schon in der Ausbildung abgeschlossen? Was nach dem Examen mit deiner BU passiert, liest du auf der Seite für NotSan-Azubis.

Unfall­versicherung

Die Tätigkeit im Rettungsdienst birgt allerlei Risiken, die du trotz aller Umsicht nicht ganz vermeiden kannst. Wenn du während des Dienstes einen Unfall erleidest, ist zuerst die gesetzliche Unfallversicherung zuständig, also deine Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse. Das gilt auch, wenn du gegen eine Vorschrift verstoßen hast, etwa ohne PSA: Verbotswidriges Handeln schließt den Versicherungsschutz nicht aus (§ 7 Abs. 2 Sozialgesetzbuch VII). Melde jeden Unfall sofort deinem Arbeitgeber. Auch kleine Verletzungen gehören ins Verbandbuch.

Weniger als 2 Prozent der gemeldeten Arbeits- und Wegeunfälle führen zu einer Rente der BG: 2025 standen 860.228 meldepflichtigen Unfällen 12.645 neue Renten gegenüber⁠[1]. Wird eine Rente gezahlt, liegt sie im Durchschnitt bei rund 660 Euro im Monat (7.892 Euro je Rentenfall und Jahr, 2024)⁠[2].

Aus deiner Rettungsdiensterfahrung heraus weißt du jedoch, dass nur ein Bruchteil aller Unfälle überhaupt Arbeits- und Wegeunfälle sind. In der Freizeit hingegen hast du gar keinen Versicherungsschutz über die Berufsgenossenschaft.

Eine private Unfallversicherung schützt dich rund um die Uhr. Egal ob auf der Arbeit, im Urlaub, bei deinen Hobbys oder einfach nur zu Hause: Hier erhältst du genau die Leistungen, die du für dich vereinbart hast. Damit musst du im Falle eines Unfalls keine großen finanziellen Einbußen hinnehmen, kannst dein bisheriges Leben weiterführen und dich auf deine Genesung konzentrieren.

Wenn du bisher über deine Eltern eine Unfallversicherung hattest, solltest du diese unbedingt anpassen. Warst du dort zum Beispiel noch als Schüler versichert, kann dein Versicherer die Leistung kürzen, weil dein Beruf im Vertrag nicht stimmt. Ein eigener Vertrag, der zudem auf deine Arbeit als NotSan zugeschnitten ist, garantiert dir die besten Leistungen.

Die Unfallversicherung vermittle ich nur Kolleginnen und Kollegen, deren BU ich betreue. Alle Informationen zur speziellen Unfallversicherung für Notfallsanitäter findest du auf meiner Seite zur Unfallversicherung.

Rechtsschutz­versicherung

Als letzte der Versicherungen für Notfallsanitäter soll noch die Rechtsschutzversicherung genannt werden, die dich in allen wichtigen Bereichen vor rechtlichen Problemen schützt. Egal, ob es um Rechtsprobleme im privaten Umfeld, um den Verlust deines Führerscheins (Verkehrsrechtsschutz) oder um Streitigkeiten mit deinem Arbeitgeber (Arbeitsrechtsschutz) geht: Die Rechtsschutzversicherung bezahlt dir einen guten Anwalt, die Gerichtskosten und vieles mehr.

Vor allem in deiner Eigenschaft als Notfallsanitäter, der tagtäglich eine riesige Verantwortung trägt, ist die Rechtsschutzversicherung Gold wert. Mit dem richtigen Vertrag hast du auch Versicherungsschutz beim Vorwurf von Straftaten wie etwa Körperverletzung, unterlassener Hilfeleistung etc. Dadurch kannst du sicher sein, dass du dich im Falle eines Falles ohne Rücksicht auf entstehende Kosten von einem spezialisierten Rechtsanwalt vertreten lassen kannst und somit bestmöglich verteidigt wirst.

Welche Rechtsschutztarife für Notfallsanitäter taugen, weiß ich genau. Ich vermittle sie aber nur Kolleginnen und Kollegen, deren BU ich betreue. Alle Infos dazu findest du auf meiner Seite zur Rechtsschutzversicherung.

Wenn du bald oder gerade mit deiner NotSan-Ausbildung fertig bist, dann fang mit der BU an: 30 Minuten per Video. Dort besprechen wir, welche Versicherungen für dich sinnvoll sind, damit du gut versichert in dein Berufsleben startest!

Quellen

  1. Pressemitteilung „Unfallrisiko bei der Arbeit 2025 erneut gesunken“ · Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), 22.9.2026, Berichtsjahr 2025 (689.922 Arbeitsunfälle, 170.306 Wegeunfälle, 12.645 neue Renten)
  2. DGUV-Statistiken für die Praxis 2024, Übersicht 38 · Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), 02/2026
  3. Private Haftpflichtversicherung · Finanztip, Stand 17.8.2026 (Singles ab 20 bis 40 Euro im Jahr, 50 Mio. Euro Deckung); Private Haftpflichtversicherung: ein absolutes Muss für alle · Verbraucherzentrale, Stand 7.10.2026 (mindestens 10 Mio. Euro)
Nikki Pahl in der Einsatzjacke

Feierabend für heute

Kümmer dich um dich, solange du gesund bist.

30 Minuten per Video · kostenlos · unverbindlich