Ergänzend zur BU · Berufshaftpflicht

Berufs­haftpflicht für Notfall­sanitäter und Rettungs­sanitäter. Wer haftet, wann du zahlst, was sie kostet.

Auch wenn du sorgfältig arbeitest, kann ein Schaden entstehen. Oft reicht schon der Vorwurf und du musst dich verteidigen. Hier steht, wer im Rettungsdienst haftet, wann dein Arbeitgeber Geld von dir zurückholen kann und woran du eine gute Berufshaftpflicht erkennst.

Von Nikki Pahl, Notfallsanitäter und Versicherungsmakler · Für NotSan (Notfallsanitäter), RS (Rettungssanitäter), Azubis und Honorarkräfte · Stand: Oktober 2026

Nikki Pahl in oranger Einsatzjacke mit Namensschild „N. Pahl Notfallsanitäter“, lächelnd vor heller Betonwand
NameNikki Alexander Pahl
FunktionNotfallsanitäter · Versicherungsmakler
HaftpflichtUnderwriter (DVA)
VermittlungNur zusammen mit der BU

01 · Das Wichtigste in 60 Sekunden

Berufshaftpflicht im Rettungsdienst: die Kurzfassung

  1. Die Berufshaftpflicht prüft jede Forderung gegen dich, wehrt unberechtigte ab und zahlt berechtigte. Die Abwehr ist der Teil, den du am häufigsten brauchst.
  2. Im Rettungsdienst gilt fast überall die Amtshaftung. Dein Arbeitgeber oder Auftraggeber kann sich den Schaden aber per Regress von dir zurückholen.
  3. Angestellte haften ab mittlerer Fahrlässigkeit anteilig, bei grober Fahrlässigkeit und Vorsatz in der Regel komplett. Honorarkräfte haften schon bei leichter Fahrlässigkeit.
  4. Ein guter Vertrag hat 5 bis 10 Mio. € Deckungssumme und schließt grobe Fahrlässigkeit ein, für NotSan auch die heilkundlichen Maßnahmen nach § 2a NotSanG.⁠[4]
  5. Angestellte RS und NotSan zahlen ab 75 € im Jahr, Honorarkräfte etwa 200 bis 500 €.⁠[4]

Beiträge und Deckungssummen: Richtwerte aus meiner Beratungspraxis, Stand Oktober 2026

Service für BU-Kunden

So bekommst du sie bei mir: nur zusammen mit deiner BU

Diese Versicherung vermittle ich als Service für Kunden, deren BU ich betreue. Wenn deine Arbeitskraft noch nicht abgesichert ist, fang hier an: Berufsunfähigkeitsversicherung für Notfallsanitäter.

Als Haftpflicht-Underwriter (DVA) kenne ich die Tarife für den Rettungsdienst genau und habe die besten an der Hand. Ich vermittle sie aber nur Kolleginnen und Kollegen, die ihre BU (Berufsunfähigkeitsversicherung) bei mir haben. Der erste Schritt ist deshalb die BU-Beratung: 30 Minuten per Video, kostenlos und unverbindlich.

Lieber erst in Ruhe lesen? Die Broschüre zur Berufshaftpflicht bekommst du kostenlos als PDF.

Nikki Pahl in geschlossener oranger Einsatzjacke mit Stethoskop um den Hals und Namensschild Rettungsdienst-Versicherung.de

02 · Das Risiko im Dienst

Wo im Rettungsdienst Schäden entstehen

Im Rettungsdienst arbeitest du häufig unter schwierigen Bedingungen: gefährliche Einsatzstellen, schlechtes Wetter, andere Menschen (Patienten, Angehörige, Schaulustige, Kollegen) und du selbst (Müdigkeit, Zeitdruck, Stress, Unaufmerksamkeit). Das sind die häufigsten Schadenursachen.

Untersuchung und Versorgung

Unzureichende, fehlerhafte oder unterlassene Untersuchung oder Versorgung des Patienten.

Vorschriften und SOPs

Verstöße gegen Dienstvorschriften, SOPs oder Gesetze.

Voll beherrschbare Risiken

Lagerung, Sicherung auf der Trage, Gerätecheck oder Hygiene. Geht hier etwas schief, wird ein Fehler vermutet und du musst das Gegenteil beweisen (§ 630h BGB).⁠[1]

Wenn etwas passiert

Schnell sechsstellige Beträge

Entsteht dem Patienten daraus ein Gesundheitsschaden, wird Schadenersatz fällig. Schadenersatz, Anwalts- und Gerichtskosten erreichen schnell sechsstellige Beträge, etwa wenn ein Patient dauerhaft Pflege braucht oder eine lebenslange Rente bekommt. Das sehe ich als Haftpflicht-Underwriter regelmäßig in den Schadenakten der Versicherer.

Was die Berufshaftpflicht tut

Prüfen, abwehren, zahlen

Eine Berufshaftpflichtversicherung für angestellte oder freiberufliche NotSan und RS schützt dich vor diesen Forderungen: Sie prüft jeden Vorwurf, wehrt unberechtigte Forderungen ab und zahlt berechtigte.

03 · So funktioniert sie

Was die Berufshaftpflicht leistet und wer im Rettungsdienst haftet

Eine Berufshaftpflichtversicherung für den Rettungsdienst (bei Angestellten auch Dienst- oder Amtshaftpflichtversicherung genannt) ist ein Vertrag, den du mit einem Versicherer abschließt. Stellt jemand Forderungen an dich, egal ob ein Patient oder dein Arbeit- oder Auftraggeber, prüft der Versicherer diese Forderungen für dich. Berechtigte Forderungen zahlt er, unberechtigte wehrt er in deinem Namen ab, auch vor Gericht.

Drei Stufen entscheiden, bei wem die Forderung am Ende landet.

Stufe 1 · Gesetz

Gesetzliche Haftung

Wer einem anderen einen Schaden an Leben, Körper, Gesundheit, Freiheit oder Eigentum zufügt, muss ihn ersetzen (§ 823 BGB).⁠[1] Bei größeren Schäden legt oft ein Gericht die Höhe fest. Nach oben gibt es keine Grenze.

Stufe 2 · Träger

Amtshaftung

Im Rettungsdienst gilt fast überall die Amtshaftung (§ 839 BGB mit Art. 34 GG).⁠[1] Der Geschädigte darf seinen Anspruch nicht gegen dich richten, sondern nur gegen den Träger des Rettungsdienstes, in der Regel den Landkreis oder die kreisfreie Stadt.

Stufe 3 · Arbeitgeber

Haftung des Arbeitgebers oder Auftraggebers

Der Träger wendet sich an deinen Arbeitgeber, bei Honorarkräften an den Auftraggeber, und fordert den Schaden ganz oder teilweise zurück. Führt der Träger den Rettungsdienst selbst durch, entfällt dieser Schritt.

Am Ende · Regress

Und wann bist du dran?

Dein Arbeitgeber oder Auftraggeber kann sich den Schaden von dir zurückholen. Das nennt sich Regress. Ob und wie viel, hängt davon ab, wie schwer dein Verschulden wiegt und ob du angestellt bist oder auf Honorarbasis arbeitest.

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Sonderfall Baden-Württemberg und Honorarkräfte

In Baden-Württemberg unterliegt nur die Integrierte Leitstelle der Amtshaftung, nicht der ganze Rettungsdienst (OLG Karlsruhe, Urteil vom 13.5.2016, 13 U 103/13).⁠[3] Patienten können ihre Ansprüche dort direkt gegen dich richten.

Honorarkräfte können beim Vorwurf eines Fehlers in der Regel keinen Schutz durch den Auftraggeber erwarten. Schadenersatz wird meist in voller Höhe gefordert, schon bei leichter Fahrlässigkeit, weil anders als beim Arbeitnehmer keine auf Dauer angelegte Verbindung besteht. Deshalb ist die Berufshaftpflicht hier unverzichtbar.

04 · Verschulden

Vorsatz und Fahrlässigkeit: wer den Schaden zahlt

Dein Arbeitgeber (bei Angestellten) oder dein Auftraggeber (bei Honorarkräften) verlässt sich darauf, dass du zuverlässig und gewissenhaft arbeitest. Weichst du von dieser Sorgfalt ab, heißt das Fahrlässigkeit, in drei Stufen. Darüber steht der Vorsatz.

01

Leichte Fahrlässigkeit

Kann auch dem aufmerksamsten und sorgfältigsten Retter passieren.

02

Mittlere Fahrlässigkeit

Liegt vor, wenn die erforderliche Sorgfalt außer Acht gelassen wird.

03

Grobe Fahrlässigkeit

Liegt vor, wenn die erforderliche Sorgfalt in besonders hohem Maß außer Acht gelassen wird.

04

Vorsatz

Der Schaden wurde bewusst und gewollt herbeigeführt. Vorsatz liegt auch vor, wenn du eine Schädigung des Patienten für möglich hältst und sie billigend in Kauf nimmst.

Angestellt oder Honorarkraft

Wer zahlt den Schaden?

Das entscheiden dein Status und die Schwere deines Verschuldens.⁠[2]

VerschuldenAngestellteHonorar­kräfte
Leichte FahrlässigkeitArbeitgeberDu
Mittlere FahrlässigkeitArbeitgeber und du, anteilig nach Schadenhöhe und UmständenDu
Grobe FahrlässigkeitDu, in der Regel komplettDu
VorsatzDuDu

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Grobe Fahrlässigkeit gehört in den Vertrag

Im öffentlichen Dienst haftest du nur bei Vorsatz und grober Fahrlässigkeit (bei kommunalen Arbeitgebern § 3 Abs. 6 TVöD). Vorsatz ist nie versichert (§ 103 VVG).⁠[1] Eine gute Berufshaftpflicht greift dagegen auch bei grober Fahrlässigkeit.

05 · Für bestehende Verträge

Woran du eine gute Berufshaftpflicht erkennst: der ABCDE-Check

Du hast bereits eine Berufshaftpflichtversicherung? Dann prüfe anhand dieser kurzen ABCDE-Checkliste, ob die wichtigsten Punkte stimmen.

A

Ausschlüsse

Enthält dein Vertrag ungünstige Ausschlüsse? Etwa Honorardienste, Ehrenamt oder Sanitätsdienste.

B

Bedingungen und Beruf

Hast du die wichtigsten Punkte vereinbart? Grobe Fahrlässigkeit mitversichert, für NotSan die heilkundlichen Maßnahmen nach § 2a NotSanG ausdrücklich eingeschlossen. Sonst streitet der Versicherer im Ernstfall über die Deckung.

C

Check des Versicherers

Kennt dein Versicherer Schadenfälle aus dem Rettungsdienst? Gute Bedingungen sind genauso wichtig wie ein Versicherer, der weiß, wie ein Einsatz abläuft.

D

Deckungssumme

Sie sagt, wie viel der Versicherer im Schadenfall höchstens zahlt. Ein guter Vertrag hat heute 5 bis 10 Mio. € pauschal für Personen-, Sach- und Vermögensschäden. So reicht das Geld auch bei einem schweren Schaden mit lebenslanger Rente.

E

Ehrlichkeit und ergänzender Schutz

Hast du wichtige Fragen im Antrag wie Vorschäden oder Vorversicherung ehrlich beantwortet?

Genauer nachlesen: B und ETätigkeit im Versicherungsschein, Strafverteidiger und BU

B · Steht im Versicherungsschein, was du wirklich machst?Angestellte achten darauf, dass ihre Tätigkeit genau aufgeführt ist. Honorarkräfte sorgen dafür, dass der Versicherer alles kennt: Rettungsdienst, Notaufnahme, Sanitätsdienste.

E · Ergänzender SchutzDie Haftpflicht wehrt Forderungen gegen dich ab. Den Strafverteidiger, etwa beim Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung, zahlt ein Rechtsschutz mit erweitertem Strafrechtsschutz. Und die wichtigste Absicherung bleibt die BU.

Du hast schon einen Vertrag und bist unsicher?

Läuft deine BU über mich, schick mir deinen Vertrag per E-Mail. Ich prüfe ihn anhand dieser fünf Punkte. Noch keine BU bei mir? Dann fang mit der BU-Beratung an.

Du hast noch keine Berufshaftpflichtversicherung für den Rettungsdienst?

Dann fang mit der BU an und sichere dir einen Beratungstermin. Steht die BU bei mir, kommt die Berufshaftpflicht dazu.

Die Checkliste und alle Informationen auf dieser Seite sind eine erste Orientierung, aber kein Ersatz für die persönliche Beratung.

06 · Kosten

Was kostet eine Berufshaftpflicht?

„Eine Berufshaftpflicht für NotSan kostet sicher so viel wie die für eine Hebamme.“ Zum Glück nicht. Für eine Hebamme mit Geburtshilfe kostet die Versicherung 2025/26 13.292 € im Jahr.⁠[5] NotSan zahlen trotz erweiterter Kompetenzen nur einen Bruchteil davon.

WerBeitrag im JahrWovon er abhängt
Angestellte RS und NotSanab 75 €Deckungs­summe, Tarif
Selbst­ständige und Honorar­kräfteetwa 200 bis 500 €Tätigkeit und Umsatz
Rechtsschutz als Ergänzung280 bis 300 €Bausteine, Selbst­beteiligung

Beiträge im Jahr, Richtwerte aus meiner Beratungspraxis, Stand Oktober 2026.

Tabelle seitlich wischen

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Dein Beitrag und die Steuer

Deinen Beitrag rechne ich dir in der BU-Beratung aus. Beiträge zur Berufshaftpflicht sind komplett Werbungskosten, Rechtsschutz mit dem beruflichen Anteil.

Beispiele aus der Beratungspraxis

Vier Kolleginnen und Kollegen, vier Lösungen

Namen geändert, Beiträge als Richtwerte, Stand Oktober 2026.

NotSan · angestellt

Pauline, 27 Jahre alt, angestellte Notfallsanitäterin

Ausgangslage: Pauline ist seit drei Jahren fertige NotSan. Sie ist bei einer Hilfsorganisation angestellt und hat abwechselnd Dienste auf RTW und NEF.

Ihre Absicherung: Berufshaftpflichtversicherung für Notfallsanitäter mit einer Deckungssumme von 10 Mio. € und eingeschlossenen Maßnahmen nach § 2a NotSanG. Beitrag: ab 75 € im Jahr.

Lehrerin · Honorardienste

Steffi, 32 Jahre alt, Lehrerin an einer Rettungsdienstschule mit Honorardiensten

Ausgangslage: Steffi arbeitet seit ihrem Medizinpädagogik-Studium als angestellte Klassenlehrerin an einer Rettungsdienstschule. Nebenbei macht sie monatlich bis zu fünf RTW- und NEF-Dienste bei verschiedenen Auftraggebern.

Ihre Absicherung: Für die Honorartätigkeit eine Berufshaftpflichtversicherung mit einer Deckungssumme von 10 Mio. €, weil ihr kein Auftraggeber den Rücken freihält. Beitrag: etwa 200 bis 500 € im Jahr, je nach Umfang der Dienste.

RS · angestellt

Marco, 22 Jahre alt, angestellter Rettungssanitäter

Ausgangslage: Marco arbeitet seit seinem FSJ auf einer Rettungswache des DRK. Er ist auf einer festen Schicht eingeplant und fährt KTW und RTW.

Seine Absicherung: Berufshaftpflichtversicherung mit einer Deckungssumme von 10 Mio. €, auch für seine Verantwortung als Transportführer im Krankentransport. Beitrag: ab 75 € im Jahr.

NotSan · angestellt und Honorar

Holger, 34 Jahre alt, angestellter Notfallsanitäter mit Nebentätigkeit

Ausgangslage: Holger arbeitet seit 14 Jahren im Rettungsdienst. Er ist als Notfallsanitäter bei einer Hilfsorganisation mit 80 Prozent angestellt. Nebenbei fährt er monatlich mehrere RTW-Dienste auf Honorarbasis bei verschiedenen Auftraggebern, teilweise über Vermittlungsbörsen.

Seine Absicherung: Ein Vertrag, der beides kennt: die Anstellung und die Honorardienste. Deckungssumme 10 Mio. €. Beitrag: Anteil für die Anstellung ab 75 € im Jahr, Anteil für die Honorardienste etwa 200 bis 500 €, abhängig vom Umsatz.

Nikki Pahl von hinten in oranger Einsatzjacke mit Reflexstreifen und dem Rückenschild Rettungsdienst-Versicherung.de

07 · Fallbeispiel

Der sechste Einsatz des Tages

01

Alarm nach einem Sturz

Kerstin, NotSan, und Alex, RS, werden gegen Mittag zu einer 78-jährigen Patientin nach einem Sturz alarmiert, ohne Sondersignal.

gegen Mittag

02

Drei Tage am Boden

Vor Ort finden sie eine adipöse Patientin, die vor drei Tagen gestürzt ist und seitdem hilflos auf dem Wohnzimmerboden lag. Sie wirkt leicht verwirrt, sonst unverletzt. Kerstin bittet sie, aufzustehen und mit ihnen die Treppe hinunter zum RTW zu gehen.

03

Reanimation auf der Treppe

Noch auf der Treppe klagt die Patientin über Schmerzen in den Beinen, wird bewusstlos und muss reanimiert werden. Wenige Tage später stirbt sie in der Klinik.

04

Der Vorwurf

Die Angehörigen beauftragen einen Anwalt. Ihr Vorwurf: Nach drei Tagen Liegezeit hätte sie liegend transportiert werden müssen.

05

Die Berufshaftpflicht übernimmt

Kerstin meldet den Fall sofort ihrer Berufshaftpflichtversicherung. Der Versicherer stellt ihr im gesamten Verfahren rechtlichen Beistand. Am Ende zahlt er rund 30.000 € Regresskosten, die ihr Arbeitgeber von ihr zurückgefordert hat.

rund 30.000 €

Das Beispiel ist konstruiert, die Abläufe entsprechen der Praxis.

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Merke

Melde jeden Vorwurf sofort deinem Versicherer, auch den haltlosen, und gib kein Schuldanerkenntnis ab.

Titelseite der Broschüre „Berufshaftpflicht für Rettungsfachpersonal“, Version 4.0, mit dem Namensschild „N. Pahl“ auf der orangefarbenen Einsatzjacke

08 · Broschüre Berufshaftpflicht

Alles zum Nachlesen: die Broschüre zur Berufshaftpflicht

Die Broschüre „Berufshaftpflicht für Rettungsfachpersonal“ bekommst du kostenlos als PDF per E-Mail. 12 Seiten zum Nachlesen nach dem Dienst und zum Weitergeben auf der Wache.

  • Wer im Rettungsdienst haftet: Gesetz, Amtshaftung, Regress
  • Angestellt oder Honorarkraft: was dein Status für dich bedeutet
  • Woran du eine gute Berufshaftpflicht erkennst und was sie kostet
  • Ein Fallbeispiel, häufige Fragen und warum es sie bei mir nur zusammen mit der BU gibt

Für deine Patienten hast du immer eine Lösung. Für dich?

09 · Häufige Fragen

Häufige Fragen zur Berufshaftpflicht im Rettungsdienst

Haftung im Rettungsdienst

Was bedeutet Amtshaftung im Rettungsdienst?

Unter Amtshaftung versteht man, dass Patienten, Angehörige oder Dritte ihre Schadenersatzforderungen nicht direkt an das Rettungsfachpersonal richten können, sondern sich an den Träger des Rettungsdienstes wenden müssen (§ 839 BGB mit Art. 34 GG).

Dein Arbeitgeber kann sich den gezahlten Schadenersatz dann von dir zurückholen: ab mittlerer Fahrlässigkeit anteilig, bei grober Fahrlässigkeit und Vorsatz in der Regel komplett. Im öffentlichen Dienst, etwa wenn der Träger den Rettungsdienst selbst durchführt, haftest du nur bei Vorsatz und grober Fahrlässigkeit.

Beachte: Bei strafrechtlich relevanten Vorkommnissen bist du immer selbst verantwortlich. Die persönliche Schuld kann weder der Arbeitgeber noch der Träger übernehmen.

Wann haftet dein Arbeitgeber?

Dein Arbeitgeber muss den Schaden komplett selbst übernehmen, wenn du ihn mit leichter Fahrlässigkeit verursacht hast.

Bei mittlerer Fahrlässigkeit wird der Schaden „unter Berücksichtigung sämtlicher Umstände des Einzelfalls zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufgeteilt“ (BAG, Großer Senat, 27.9.1994, GS 1/89).

Bei grober Fahrlässigkeit oder Vorsatz musst du den Schaden in aller Regel komplett selbst übernehmen.

Wie haften Beamte im Rettungsdienst?

Beamte sind grundsätzlich vom Prinzip der Amtshaftung geschützt, so dass zivilrechtliche Ansprüche sich nicht gegen sie direkt richten können.

Im Falle von Vorsatz und grober Fahrlässigkeit kann jedoch auch der Dienstherr Beamte in Regress nehmen.

Gilt die Amtshaftung in allen Bundesländern?

Fast überall. Die Ausnahme ist Baden-Württemberg: Dort unterliegt nur die Integrierte Leitstelle der Amtshaftung, nicht der Rettungsdienst selbst (OLG Karlsruhe, Urteil vom 13.5.2016, 13 U 103/13). Patienten können ihre Ansprüche dort direkt gegen dich richten. Auch sonst hängt der Weg der Haftung davon ab, ob der Träger den Rettungsdienst selbst durchführt oder an Hilfsorganisationen und private Unternehmen vergeben hat.

Wie haften ehrenamtliche Retter?

Da ehrenamtliche Kollegen im Rettungsdienst keine Bezahlung, sondern nur eine Aufwandsentschädigung erhalten, können sie lediglich im Falle von Vorsatz und grober Fahrlässigkeit in Regress genommen werden. Achte darauf, dass das Ehrenamt in deinem Vertrag ausdrücklich mitversichert ist.

Was bedeutet leichte, mittlere und grobe Fahrlässigkeit?
  • Leichte Fahrlässigkeit ist gegeben, wenn kleinere Unachtsamkeiten oder Nachlässigkeiten geschehen, die wegen der menschlichen Unzulänglichkeit jedem noch so aufmerksamen und sorgfältigen Mitarbeiter passieren können.
  • Mittlere Fahrlässigkeit liegt vor, wenn die für die konkrete Tätigkeit erforderliche Sorgfalt außer Acht gelassen wird, ohne dass ein besonders schwerer Vorwurf zu machen ist.
  • Grobe Fahrlässigkeit legt an den Tag, wer die erforderliche Sorgfalt in besonders schwerem Maße verletzt, schon einfachste, ganz naheliegende Überlegungen nicht anstellt und das außer Acht lässt, was unter den gegebenen Umständen jedem hätte einleuchten müssen.

Definitionen nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts zur Arbeitnehmerhaftung (Großer Senat, 27.9.1994, GS 1/89).

Was bedeutet Vorsatz?

Vorsätzlich handelt nicht nur, wer mit Absicht seine Pflichten oder das Leben, die Gesundheit oder sonstige Rechtsgüter des Patienten verletzt, sondern auch, wer deren Verletzung im Rahmen einer Handlung oder eines Unterlassens für möglich hält und billigend in Kauf nimmt (bedingter Vorsatz). Vorsatz ist nie versichert (§ 103 VVG).

Wer sie braucht

Brauchst du als NotSan-Azubi eine Berufshaftpflicht?

Als Azubi hast du vor allem deinen Geldbeutel im Blick. Mit einer eigenen Berufshaftpflichtversicherung bist du auf der sicheren Seite. Bevor du dafür Geld in die Hand nimmst, prüfe aber zwei Dinge: Hast du eine Privathaftpflicht (wenn du direkt aus der Schule kommst, bist du oft über deine Eltern versichert)? Und hast du eine BU, die in der Ausbildung am günstigsten ist? Die BU kommt zuerst, die Berufshaftpflicht gibt es bei mir dazu.

Braucht auch ein RS eine Berufshaftpflicht?

Manchmal hört man, ein Rettungssanitäter trage im Notfalleinsatz keine Verantwortung, weil die in der Regel der höher qualifizierte NotSan oder der Notarzt trägt. Das stimmt nur teilweise. Auch ein Rettungssanitäter kann für die von ihm übernommenen Aufgaben haftbar gemacht werden.

Dabei kann es zum Beispiel um das Aufziehen von Medikamenten gehen. Bekommt der Patient wegen eines Fehlers des RS eine viel zu niedrige oder zu hohe Dosis oder gar das falsche Medikament und erleidet dadurch einen Schaden, kann der RS dafür zur Verantwortung gezogen werden. Bei der Haftungsfrage wird untersucht, welches Teammitglied welchen Anteil an der Schadenentstehung hatte.

Auch abseits der Notfallrettung, im Krankentransport, können RS als Transportführer für fehlerhaftes Handeln zur Verantwortung gezogen werden, zum Beispiel wenn ein Patient gar nicht oder nicht fachgerecht transportiert wird.

Eine besondere Gefahr besteht für Rettungssanitäter, wenn sie freiberuflich oder auf Honorarbasis arbeiten. Eine Berufshaftpflichtversicherung ist daher auch für RS wichtig und sinnvoll.

Reicht deine Privathaftpflicht im Dienst aus?

Die Privathaftpflichtversicherung (PHV) ist mit die wichtigste Versicherung, die jeder haben sollte. Sie kommt ins Spiel, wenn du als Privatperson jemand anderem einen Schaden zufügst.

Wenn du dagegen als RS oder NotSan deiner beruflichen Tätigkeit nachgehst, leistet deine PHV nicht.

Brauchst du zusätzlich zur Berufshaftpflicht einen Rechtsschutz?

Rechtsschutz- und Berufshaftpflichtversicherung sind zwei verschiedene Versicherungen. Im Idealfall greifen beide so ineinander, dass du außer der Selbstbeteiligung keine Kosten trägst.

Die Berufshaftpflichtversicherung kümmert sich um die Haftpflichtfrage. Sie wehrt unbegründete Ansprüche ab und bezahlt die gerechtfertigten. Bei manchen Verträgen ist ein kleiner Strafrechtsschutz enthalten.

Die Rechtsschutzversicherung deckt einen größeren Bereich ab: private und berufliche Streitigkeiten, Verkehr und, im Idealfall, einen erweiterten Strafrechtsschutz. Hier geht sie deutlich weiter als die Haftpflicht. Dafür bezahlt sie niemals einen Schadenersatz an einen Geschädigten. Mehr dazu auf der Seite zur Rechtsschutzversicherung für Rettungsfachpersonal.

Vertrag

Welche Deckungssumme brauchst du?

Die Deckungssumme ist der Betrag, den der Versicherer maximal für einen Schaden übernimmt. Übersteigt die Forderung die Deckungssumme, zahlst du die Differenz selbst.

Ein guter Vertrag hat heute 5 bis 10 Mio. € pauschal für Personen-, Sach- und Vermögensschäden (Richtwert aus meiner Beratungspraxis, Stand Oktober 2026). Mit 5 Mio. € bist du gut aufgestellt. Wer regelmäßig auf Honorarbasis arbeitet, nimmt eher 10 Mio. €. Das Upgrade kostet nicht viel mehr.

Wann ist der Abschluss sinnvoll?

So früh wie möglich, denn versichert sind nur Schäden, die nach Beginn der Versicherung eintreten.

Deine Frage war nicht dabei? Stell sie mir im Termin

Quellen: § 839 BGB, Art. 34 GG, § 103 VVG · BAG, Großer Senat, 27.9.1994, GS 1/89 · OLG Karlsruhe, 13.5.2016, 13 U 103/13 · Deckungssummen: Beratungspraxis, Stand 10/2026

Alle 5 Quellen anzeigenGesetze, Bundesarbeitsgericht, OLG Karlsruhe, Beratungspraxis, GKV-Spitzenverband
  1. § 823, § 839 und § 630h BGB, Art. 34 GG, § 103 VVG, § 3 Abs. 6 TVöD (VKA) · gesetze-im-internet.de, Stand 10/2026
  2. Bundesarbeitsgericht, Großer Senat, Beschluss vom 27.9.1994, GS 1/89 (Grundsätze der Arbeitnehmerhaftung)
  3. OLG Karlsruhe, Urteil vom 13.5.2016, 13 U 103/13 (Amtshaftung im Rettungsdienst Baden-Württemberg)
  4. Beitragsrichtwerte und Deckungssummen: Beratungspraxis Rettungsdienst-Versicherung.de, Stand 10/2026 (siehe Broschüre „Berufshaftpflicht für Rettungsfachpersonal“, Version 4.0)
  5. Hebammen: GKV-Spitzenverband, Zahlen, Daten, Fakten zu freiberuflichen Hebammen, Stand 10/2025, S. 4 (Versicherungsjahr 2025/26, darin 99 € Privathaftpflicht)
Nikki Pahl, Notfallsanitäter und Versicherungsmakler, in orange-dunkelblauer Einsatzjacke mit Namensschild Rettungsdienst-Versicherung.de

Dein nächster Schritt

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